Der Netzwerkarbeit kommt im Rahmen des Übergangsmanagements eine wesentliche Rolle zu, da die Verantwortlichkeiten im Kontext der Resozialisierung straffälliger Menschen für gewöhnlich auf mehrere Institutionen verteilt und hintereinander gestaffelt angelegt sind.

 

Ressortübergreifende Zusammenarbeit kann dabei helfen, die so bedingten Reibungsverluste zu Lasten aller Beteiligten, vor allem aber für die Inhaftierten und Haftentlassenen selbst, zu erkennen, die Vorteile gleitender Übergänge herauszuarbeiten und gemeinschaftlich zielführende Strukturen zu entwickeln.

 

Ausgehend vom Grundgedanken, dass Netzwerkaktivitäten eine der Voraussetzungen für gelungenes Übergangsmanagement sind, ist das „Netzwerk Integration von Haftentlassenen“ ein wesentliches Element der Projektstruktur. Sozusagen als Bindeglied zwischen den im Vollzug arbeitenden Teilprojekten soll es an die dort bereits existierende Netzwerkarbeit anknüpfen und diese weitergestalten.

 

Zwar ist die Netzwerkidee keinesfalls neu, und es gibt bereits viele Kooperationen, die gut funktionieren und die in allen Handlungsfeldern der Entlassungsvorbereitung eine wichtige Rolle spielen. Bei genauerer Betrachtung lässt sich  jedoch feststellen, dass Vieles auf persönlichem Engagement beruht und institutionenübergreifende  Zusammenarbeit oft nicht zufriedenstellend verläuft.

 

Zu Beginn des Projektes wurden Bedarfserhebungen in den Anstalten und auch bei externen Institutionen durchgeführt. Das Ergebnis war wenig überraschend: Gelungenes Übergangsmanagement braucht verlässliche Strukturen und verbindliche Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner, Strukturen also, die auch dann noch gelten, wenn zum Beispiel  eine Mitarbeiterin ihren Arbeitsplatz wechselt.

 

Netzwerke werden grundsätzlich positiv bewertet. Dies ist eine wichtige Handlungsvoraussetzung, birgt aber auch Herausforderungen. Oft werden Netzwerke nämlich als Lösungsmöglichkeit für viele Probleme genannt. Wie genau sie aber aussehen und nach welchen Regeln sie gut funktionieren, ist damit noch nicht beantwortet, auch nicht für diejenigen, die sich ein Netzwerk wünschen.

 

Die erste Aufgabe der Netzwerkkoordination im Projekt war es also, dem Vorhaben Konturen zu geben und für die Beteiligten herauszuarbeiten, welchen konkreten Nutzen sie von einem Netzwerk haben. 

 

Die Ergebnisse der Bedarfs- und Bestandsanalysen boten dazu eine erste Orientierung. Vertieft wurden sie schließlich auf der Auftaktveranstaltung für Netzwerkpartner/-innen im November 2009, an der über 100 Personen aus verschiedenen Institutionen (Behörden und freie Träger) teilnahmen.

 

Die drei zentralen Fragestellungen der Veranstaltung waren:

 

  • Was zeichnet ein gutes Netzwerk für Haftentlassene aus?
  • Was sollte ein Netzwerk für Ihre eigene Arbeit leisten?
  • Welche Ressourcen können Sie selbst einbringen?

 

Deutlich wurde dabei vor allem die Erkenntnis, dass Netzwerkarbeit Themen braucht, an denen sie sich orientieren kann und in denen sich die Beteiligten wiederfinden.

 

Zu Beginn der operativen Netzwerkarbeit wurde daher eine Kategorisierung vorgenommen, der die Aktivitäten zugeordnet werden konnten.

 

Es wurden sieben für das Übergangsmanagement wesentliche Themen identifiziert:

 

  • Arbeit und Qualifizierung
  • Migration, Integration und Diversity
  • Finanzen und Ersatzleistungen
  • Kinder und Familie
  • Drogen
  • Wohnen
  • Denken, Verhalten und Einstellungen

 

Diese Bereiche sind nicht immer trennscharf voneinander zu unterscheiden. Sie helfen jedoch, die Arbeitsbereiche zu strukturieren.

 

In jedem der oben genannten Themenbereiche wurden Aktivitäten angestoßen, um auf diese Weise eine Antwort auf die Frage zu finden, wie ein Netzwerk eigentlich aussehen kann.

 

Die Netzwerkarbeit umfasst im Wesentlichen folgende Aktivitäten:

 

  • Arbeitskreis „Maßnahmeplanung im Vollzug“
  • Arbeitskreis „Kinder und Familie“
    • Organisation von Fachtagen zu verschiedenen Themen des Übergangs
  • Dissemination von Informationen zum Thema Übergangsmanagement
  • Schnittstellen- und Vermittlungsaufgaben zwischen den einzelnen Akteurinnen und Akteuren
  • Aufbereitung von Informationen für das Kommunikations- und Informationsportal www.passage-berlin.eu, auf dem zu allen Punkten ausführliche Informationen hinterlegt sind

 

Die Erfahrung hat gezeigt, dass bereits kleine Anstöße große Wirkung haben können. Durch das Netzwerk kommen Menschen miteinander in Kontakt, es wird ein Raum geschaffen, um Informationen auszutauschen und Ansprechpartner/-innen zu gewinnen. Dabei ist der konkrete Einzelfall genauso Gegenstand der Diskussion wie die Gesamtstruktur des Berliner Übergangsmanagements.

 

Das Projekt wurde bis Mitte 2015 durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) und die Senatsverwaltung für Justiz und VerbraucherschutzBerlin gefördert und wird aktuell finanziert durch die Jugendstrafanstalt Berlin.

 

 

 Gefördert durch die Jugendstrafanstalt Berlin