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Pressemitteilungen - MACH KEIN' STRESS
 
       
1.10.2008      
Demokratisches Handeln spielend lernen - nicht nur im Knast      
         
 

Man stelle sich folgende Situation vor: Jugendliche Strafgefangene sitzen im Unterricht mit ihrer Lehrerin zusammen und simulieren die Planungsphase des Neubaus einer Jugendstrafanstalt in einem Neubauviertel. Interessen stoßen aufeinander: Wütende Anwohner fürchten um die Wohnqualität, ein Sportverein bangt um sein Gelände, Naturschützer sehen Störche gefährdet, Stadträte erhoffen sich mehr Sicherheit, örtliche Bauunternehmen hoffen auf Aufträge. Die Jugendlichen spielen und engagieren sich für einzelne Interessengruppen, informieren sich aus Zeitungen und Amtsblättern, erarbeiten Statements für eine Gemeinderatssitzung - und lernen ganz nebenbei, wie demokratische Prozesse funktionieren und Konflikte gewaltfrei gelöst werden können.

Genau dieses Ziel verfolgt das Spielsystem "MACH KEIN' STRESS". Es wurde Ende September als ein Ergebnis des Projekts "Demokratisches Handeln in Betrieb und Gesellschaft" der Öffentlichkeit vorgestellt. In den miteinander verknüpften Regel-, Rollen- und Planspielen lernen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, wie mit Konflikten im alltäglichen Leben auf gesellschaftlich angemessene Weise umgegangen werden kann. Dies reicht von der dummen Anmache an der Bushaltestelle über Probleme am Ausbildungsplatz bis hin zu komplexen Situationen, wie z. B. der Diskussion um einen Gefängnisneubau.

"Dadurch sollen demokratische Prozesse Jugendlichen näher gebracht werden, die solchen Wegen der Entscheidungsfindung und Konfliktlösung bisher gleichgültig oder ablehnend gegenüberstehen" erklärt Prof. Dr. Wilfried Hendricks, Leiter des IBI - Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft, dessen Projektteam die Spiele und die Begleitmaterialien mit Pädagoginnen und Pädagogen in Brandenburger Justizvollzugsanstalten entwickelte.

Brandenburgs Justizministerin Beate Blechinger sagte bei der Vorstellung des Spielsystems mit Blick auf die Mehrheit der jungen Gefangenen "ein demokratischer Diskurs gehört nicht zur Erfahrungswelt der Insassen; für eine erfolgreiche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben bringen sie nicht die notwendigen Voraussetzungen mit". Dieses Defizit solle auch durch den Einsatz der Spiele im Unterricht ausgeglichen werden.

Dr. Christian Pfeffer-Hoffmann unterstreicht als Projektleiter im IBI den wichtigen Ansatz des Projekts "aus der Praxis für die Praxis und damit ganz nah am Alltag der Zielgruppe" zu arbeiten, was nur durch die aktive Unterstützung durch die Pädagoginnen und Pädagogen aus den am Projekt beteiligten Justizvollzugsanstalten möglich gewesen sei. Diese Mitarbeit umfasste neben dem Finden von Konfliktfällen mit starker Relevanz für die Zielgruppe auch den Test der Spielprototypen mit Strafgefangenen. Dabei sind gerade Rollenspiele nicht jedermanns Sache. "Wichtig ist, dass die Spieler ein ziemliches Vertrauen nicht nur mir gegenüber, sondern auch innerhalb der Gruppe haben", erklärt Hartwig Taege, der in der Jugendstrafanstalt Berlin-Plötzensee mit jugendlichen Straftätern arbeitet. "Die stellen sich nicht so einfach hin und machen das." Hilfreich sei auch als Gruppenleiter mitzumachen "da fallen dann Hemmungen. Wenn ich mich zum ,Affen' mache, machen es die anderen auch." Ein großer Vorteil sei, dass die Jugendlichen lernten, sich in andere Personen und deren Interessen hineinzuversetzen. Weitere Erfahrungen sammelte Katrin Klinkmüller von der JVA Luckau-Duben. Entgegen ihrer Erwartung machte ein Großteil der Häftlinge bereitwillig mit. Dabei sah sie bereits in der Vorbereitung des Planspiels große Schritte in der Persönlichkeitsfindung von Mitspielern und staunte über die Kommunikationsfähigkeit, die einzelne Gefangene plötzlich zeigten.
Die erste Bewährungsprobehaben die Spiele also schon hinter sich und bestanden. Alle Lehrerinnen und Lehrer wollen auch nach Projektende den Spielekoffer mit den umfangreichen Spielmaterialien einsetzen. Darüber hinaus äußerte Ministerin Blechinger die Hoffnung, dass das Spielsystem auch in pädagogischen Einrichtungen außerhalb der Brandenburger Justizvollzugsanstalten Anklang finden wird.

Der Spielekoffer mit dem kompletten Spielsystem kann beim IBI (www.ibi.tu-berlin.de) bestellt werden. Über die Website www.mach.kein-stress.de sind die zum Spielen erforderlichen Materialien zur Eigenproduktion online abrufbar.

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www.mach-kein-stress.de

 

 
         
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